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Anbauten

Das wichtigste Anbauprodukt und Ernährungsgrundlage der Bergbevölkerungen des gesamten Alpenraums war die Kartoffel. Bevor diese Pflanze in Lusern eingeführt wurde (zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert) wurden vorwiegend Getreidearten angebaut, insbesondere Roggen (rogg), Weizen (kinkl) und Gerste (gerst). Da es im Ort jedoch keine Mühle gab, mussten die Einwohner von Lusern das Getreide zum Mahlen ins Tal hinunterbefördern und den Müller mit einem Teil des daraus erhaltenen Mehls bezahlen. Im Verlauf der Jahre versuchte man in Lusern, auch Weizen und Reben anzubauen, aber wegen der ungünstigen Klimabedingungen konnten damit keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielt werden. Zum Glück traten mit dem Aufkommen der Kartoffel derartige Probleme nicht auf, da sie weniger empfindlich ist und unaufhörlichem Regen, besonders kalten Sommern und Trockenperioden trotzt. Der Kartoffelanbau erforderte jedoch eine ständige Bearbeitung der Felder und einen exakten Arbeitsablauf: man begann am Ende des Winters, das Erdreich vorzubereiten und zu düngen. Dann musste das Unkraut mithilfe einer Mistgabel beseitigt werden. Die Aussaat erfolgte gegen Ende des Monats Mai oder Anfang Juni. Da es in Lusern keinen Pflug gab, musste das Erdreich mit der Hacke gelockert werden, danach zog man mit der Schippe die Furche, in welcher die Kartoffeln im Abstand von 25-30 cm gepflanzt wurden. Danach wurde die Furche wieder mit Erde bedeckt. Wenn die Pflanze eine Höhe von ca. 10 Zentimetern erreicht hatte, wurde das Erdreich wieder gelockert und das weitere Wachstum der Pflanze abgewartet. Danach wurde das ganze Feld nochmals bearbeitet und viel Erde um die Pflänzchen aufgehäuft, damit sie besser geschützt waren. Gegen Ende September wurden die Kartoffeln geerntet. Dazu wurde zunächst das Kraut der Pflanzen entfernt und dann die Kartoffeln mit der Hacke aus der Erde gehoben. Sie wurden dann je nach Größe auf drei Haufen verteilt: große Kartoffeln wurden normal verzehrt, mittelgroße Kartoffeln wurden für die Aussaat des nächsten Jahres aufbewahrt, und kleine Kartoffeln dienten als Schweinefutter. Die Kartoffeln wurden an einer dunklen, kühlen Stelle im Stall aufbewahrt. Es ist historisch nachgewiesen, dass die Einführung des Kartoffelanbaus in Lusern und somit in die Ernährung seiner Einwohner eine beachtliche Steigerung des Lebensstandards und eine Senkung der Sterblichkeitsrate mit sich brachte. Auch heute noch werden auf den Feldern neben den Häusern Kartoffeln gesät. In den letzten beiden Jahrhunderten war auch der Anbau von Weißkraut und Roten Rüben sehr verbreitet. Weißkraut wurde im Juni gesät und nach der Ernte in Streifen geschnitten und abwechselnd mit Salz in Holzfässer geschichtet. Nach ca. zwei Monaten war das Kraut (nun zu Sauerkraut geworden) für den Verzehr bereit. Auch die Blätter und Strünke der Kohlpflanze wurden verwendet und bildeten einen Teil des Futters für die Ernährung der Schweine. In den Gemüsegärten von Lusern waren auch andere Gemüsesorten zu finden, wie Salat, Sellerie, Lauch und Radieschen, die im Panorama des Gemüsebaus nur eine nebensächliche Rolle spielten, da sie sich schlecht konservieren ließen und daher nur zur Erntezeit verzehrt werden konnten. Leider musste die Landwirtschaft in Lusern immer gegen den Mangel an Wasser ankämpfen, da die Wasserversorgung durch die Struktur des Untergrunds und durch die geografische Lage des Dorfs am höchsten Punkt einer Hochebene stark eingeschränkt war.