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Zimbrische Sprache

Der zimbrische Dialekt von Lusern
Von Fiorenzo Nicolussi Castellan

Das Adjektiv, von dem das Wort stammt, das die in Lusern gesprochene Sprache bezeichnet, ist nicht von dem gleichnamigen Volk abgeleitet, das von den römischen Legionen im Jahr 101 v.Chr. bei den Campi Raudi in der Nähe von Vercelli besiegt wurde, sondern steht für einen antiken, deutschen Dialekt.

Die zimbrische Sprache entspricht eigentlich einem Mittelhochdeutsch mit Einflüssen von Altdeutsch in seiner Bayrischen Variante. Die Sprache wurde um das Jahr tausend von bayrischen Siedlern auf die Hochebene von Lusern gebracht. Diese Siedler verließen in mehreren Migrationsschüben ihre Heimat, um nach neu zu besiedelnden Gebieten zu suchen.

Das erste Dokument, das mit diesen Emigrationen in Verbindung gebracht werden kann, stammt aus dem Jahr 1055. Darin sind die Namen der Familienoberhäupter und deren Herkunft aufgeführt, die in Zeiten der Hungersnot ihre Heimat verließen und sich in den Landbesitzen des Klosters S. Maria in Organo in Verona ansiedelten.

Die weiteste Verbreitung der zimbrischen Sprache bestand zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Damals wurde diese Sprache in einem ausgedehnten Gebiet südöstlich von Trient zwischen den Flüssen Etsch und Brenta gesprochen, und zwar von ca. 20.000 Personen. Danach begann ein unaufhaltsamer Rückgang, der heute fast zum Aussterben dieses Idioms geführt hat.

Von dem ganzen ausgedehnten Gebiet, in dem die zimbrische Sprache beheimatet war, ist nur noch der kleine Ort Lusern als letzte Bastion übrig geblieben. Die Isolierung infolge der Beschaffenheit des Gebiets, das politische Geschehen und der Stolz der Einwohner haben die Beibehaltung dieser archaischen Sprache ermöglicht, die nach Aussage von Fachleuten noch heute ihren stark konservativen Charakter bewahrt.

Prof. Tyroller weist darauf hin, dass die Sprache der Spiegel einer Gemeinschaft ist. Die zimbrische Sprache erweist einen großen Reichtum an Vokabeln auf sehr spezifischen Gebieten, wie beispielsweise die semantischen Bereiche, die mit Holz und dessen Verarbeitung, mit der Bestellung der Felder und mit dem Wetter verbunden sind.